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#105529 von Loge83
08.07.2019, 23:13
Liebes Team der Staatsoper vielen vielen Dank für diese meiner Meinung nach perfekte Salome Inszenierung in jeder Hinsicht! Musikalisch ist diese sowieso nicht zu überbieten und die Inszenierung ist für mich die beste seit Frank Castorfs Totenhaus! Aber eine Frage geht mir nicht aus dem Kopf: Warum brennen bei den beiden Menoras auf der Festtafel des Herodes nicht alle Kerzen? Vielleicht gibt es darauf ja eine Antwort. Liebe Grüße und nochmals herzlichen Dank!
#105534 von forum_admin
11.07.2019, 10:26
Liebe Loge83,

vielen Dank für Ihren Beitrag. Anbei habe ich Ihnen eine Antwort des verantwortlichen Dramaturgen als Antwort angefügt. Ich hoffe diese wird ihre Frage beantworten:

Die Anwesenden in dem Raum haben verschiedene Biografien. In ihrer jetzigen, existenzbedrohenden Situationen, in denen alle Überzeugungen, die man in einem Leben gesammelt hat, nicht mehr zu gelten scheinen, versuchen sie sich neu zu besinnen, zu klären, was ihnen wichtig ist, wie sie sich selbst sehen und – besonders schmerzlich – was andere über sie denken. Vieles versucht man aufrechtzuerhalten, Bildung, Kunstsinn, Gemeinschaft, Haltung, vieles geht bei diesem Prozess auch verloren, Grenzen gelten nicht mehr, und manche Dinge tauchen aus der Vergangenheit wieder auf, die halb verschüttet waren. Religion zum Beispiel. Die erweist sich für einige nun, da der Tod vor der Tür steht, als ganz wesentlich, anderen weniger, aber auch die, die sich vielleicht nach langer Zeit wieder auf den Glauben zurückbesinnen, erinnern sich nicht mehr an alle Details. So sind die Rituale nicht mehr vollständig, womöglich teils auch im strengen Sinne nicht korrekt.
Und wer weiß, ob überhaupt noch genügend Kerzen im Haus vorhanden sind.
Aber der Hauptgrund ist doch der, dass die Menschen versuchen, an Altes, teils Versunkenes wieder anzuknüpfen, um den Halt zu finden, den man braucht im Angesicht des Endes.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Besucherkommunikation
#105535 von ira
12.07.2019, 12:46
Loge83 hat geschrieben: diese meiner Meinung nach perfekte Salome Inszenierung in jeder Hinsicht!

Tut mir leid, aber diese hymnische Betrachtungsweise kann ich nicht unwidersprochen stehen lassen, da meine Sicht eine andere ist. Und die einzige bin ich damit nicht, wie man den Buhs, nicht nur nach der Premiere, entnehmen konnte. Da muß ich dann doch inszenatorisches Wasser in den musikalischen Wein gießen.
Das "Spiel im Spiel" oder das "Theater im Theater" wird neuerdings als "Strategie" (oder vielleicht eher als Ausrede?) benutzt, mittels der man jedem beliebigen Stück ein Konzept überstülpen kann, das nichts mit dem Werk zu tun hat. Wie in diesem Fall. Das ist sicher für sich selbst gesehen durchaus interessant, ich bin auch immer dafür, daß man die Shoa nicht in Vergessenheit geraten läßt, allerdings sollte man sich dafür nicht ausgerechnet der "Salome" bedienen. Der Bezug von Warschauer Ghetto zur biblischen Geschichte um Herodes und Jochanaan ist an ellenlangen Haaren herbeigezogen.
Da schließe ich mich gerne der Kritik des "Tagesspiegel an:

Kurz: In München gab es die „Salome“, dank Kirill Petrenkos klanglich billant durchlüfteter und rhythmisch fulminanter musikalischer Leitung, zwar zu hören, aber nicht zu sehen. Stattdessen präsentierte der Regisseur – nein, keine eigene Geschichte, sondern ein so verkopftes wie verquastes Sammelsurium an Einfällen. So verlegte er die Handlung aus dem römisch besetzten Jerusalem in eine Warschauer Bibliothek zur Zeit der Besetzung Polens durch die Nazis. Na gut, könnte man sagen, wenigstens eine Art Konzept. Doch der Rückgriff aufs hundertfach abgenudelte Bühnenklischee „Besetzer = Nazis“ funktioniert schon deswegen nicht, weil wirklich nichts an dieser Oper etwas mit dem Thema „Besatzung“ zu tun hat.

https://www.tagesspiegel.de/kultur/rich ... 06568.html

Loge83 hat geschrieben: Warum brennen bei den beiden Menoras auf der Festtafel des Herodes nicht alle Kerzen?
forum_admin hat geschrieben:Und wer weiß, ob überhaupt noch genügend Kerzen im Haus vorhanden sind.

Richtig. Die einzig sinnvolle Erklärung. Ansonsten würde keine jüdische Gesellschaft beim Sabbat-Mahl, oder bei welchem Mahl auch immer, nur einen Teil der Kerzen anzünden. Egal unter welchen Umständen.

Viele Grüße!

Ira

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